Inhaltsverzeichnis:
- Abschaffung der Rasseliste
- Kritik von Elena Kaschubat an der bisherigen Praxis
- Brandenburg bereits mit neuer Regelung ab Juli 2024
- Niedersachsen dient als Vorbild für den Führerschein
- Stimmen aus Hundeschulen und Politik
Abschaffung der Rasseliste
Seit 2016 gelten Pit-Bulls, American Staffordshire Terrier, Bullterrier und deren Mischlinge in Berlin als gefährlich.Halter müssen derzeit Führungszeugnis, Haftpflichtversicherung und Verhaltensprüfung des Hundes vorlegen. Ein Hundeführerschein mit Theorie- und Praxisprüfung könnte diese Regelungen künftig ablösen.
Kritik von Elena Kaschubat an der bisherigen Praxis
Elena Kaschubat, Amtstierärztin des Bezirks Mitte, kritisiert die Rasseliste als veraltet und stigmatisierend. Sie vergleicht das Vorgehen mit einem Verbot einzelner Automarken zur Verhinderung illegaler Autorennen. Unterstützt wird sie dabei von Tierschutzvereinen und Fachleuten.
Laut Eva Rönspieß vom Berliner Tierschutzverein gebe es keine wissenschaftlichen Belege, dass bestimmte Rassen genetisch aggressiver seien als andere. Statistisch führen Dackel und Schäferhunde die Beißvorfälle in Berlin an. Das eigentliche Problem liege häufig beim Menschen, nicht beim Tier.
Brandenburg bereits mit neuer Regelung ab Juli 2024
Berlin orientiert sich bei den Überlegungen an Brandenburg, das mit der neuen Hundehalteverordnung ab 1. Juli 2024 die Rasseeinstufung vollständig abgeschafft hat. Die bisherige Einteilung aus dem Jahr 2004 wird dort ersetzt durch individuelle Beurteilungen.
Leinen- und Maulkorbpflichten bestehen weiterhin – jedoch unabhängig von der Rasse. Berlin könnte diesen Weg nun ebenfalls einschlagen und damit eine einheitlichere, tiergerechtere Lösung verfolgen. SPD und CDU haben dies bereits im Koalitionsvertrag vereinbart.
Niedersachsen dient als Vorbild für den Führerschein
In Niedersachsen gibt es seit 2013 einen Hundeführerschein, auf den sich Justizsenatorin Felor Badenberg bezieht. Dieser umfasst:
- Theoretische Prüfung vor dem Hundekauf – Themen: Verhalten, Erziehung, Pflege, rechtliche Grundlagen.
- Praktische Prüfung im ersten Jahr – Leinenführung, Grundkommandos, Verhalten in der Öffentlichkeit.
- Erforderliche Nachweise – Haftpflichtversicherung, Gebühren, Registrierung.
Badenberg betont, dass die fachliche Prüfung zur Abschaffung der Liste erst am Anfang steht. Als mögliche Begleitmaßnahme nennt sie eine verpflichtende Sachkundeprüfung für alle Halter, unabhängig von der Rasse des Tieres.
Stimmen aus Hundeschulen und Politik
Hundeschulen wie "Martin Rütters" und "Nasse Nasen" begrüßen die Einführung eines Hundeführerscheins. Sven Sandau betont, dass viele Menschen die Bedürfnisse ihrer Tiere unterschätzen. Er sieht die Verantwortung bei den Haltern und fordert gezieltes Training für diese. Robert Rößler von der Schule „Nasse Nasen“ geht noch weiter. Er schlägt vor, die Prüfung vor dem Erwerb eines Hundes stattfinden zu lassen. Viele Tiere würden abgegeben oder landen im Tierheim, weil Halter sich vor dem Kauf nicht ausreichend informieren. Ein standardisiertes, bundesweit gültiges System wäre seiner Meinung nach notwendig. Gegenstimmen kommen aus der Politik. Antonin Brousek, fraktionsloser Abgeordneter, lehnt den Führerschein als „eine Art Waffenschein für Hunde“ ab. Er hält den Ansatz für übertrieben und unverhältnismäßig.
Berlin steht vor einer grundlegenden Entscheidung in der Hundehaltung. Die Abschaffung der Rasseliste und die Einführung eines Hundeführerscheins könnten den Weg zu einer individuellen und sachbezogeneren Beurteilung von Hunden und Haltern ebnen. Die Diskussion bleibt jedoch offen – sowohl unter Fachleuten als auch in der Politik.
Quelle: RBB24, www.fox360.net/de