Inhaltsverzeichnis:
- Überlastung des Rettungsdienstes in Coesfeld
- Konzept der Gemeinde-Notfallsanitäter
- Finanzielle Folgen durch Fehlfahrten
- Bedarf an landesweiter Unterstützung
Überlastung des Rettungsdienstes in Coesfeld
Rettungswagen im Kreis Coesfeld rücken täglich mit Blaulicht aus. Doch oft handelt es sich nicht um akute Notfälle. Laut Angaben des DRK-Kreisverbands betreffen rund 66 % aller Einsätze Fälle, in denen kein sofortiger medizinischer Notfall vorliegt. Die Einsatzkräfte werden dadurch stark beansprucht und verlieren Zeit für lebensbedrohliche Situationen.
Notfallsanitäter Sven Nolte aus Lüdinghausen beschreibt die Lage deutlich: "Weil wir qualifiziert sind, Notfälle zu behandeln." Der 31-Jährige berichtet, er sei häufig frustriert, wenn er Bagatellfälle betreue, während andernorts dringend Hilfe benötigt werde.
In einem ähnlichen Kontext berichtete auch eine Initiative über steigende Belastungen im Rettungswesen, wie auf dieser Seite beschrieben wird.
Konzept der Gemeinde-Notfallsanitäter
Der DRK-Kreisverband Coesfeld schlägt ein neues Modell vor. Gemeinde-Notfallsanitäter sollen künftig über Leitstellen gezielt alarmiert werden. Diese Fachkräfte könnten bei weniger dringenden Einsätzen selbstständig reagieren und entscheiden, welche Hilfe nötig ist.
Sie könnten:
- kleinere Verletzungen direkt vor Ort behandeln,
- Betroffene an Haus- oder Fachärzte verweisen,
- unnötige Krankenhauseinweisungen vermeiden.
Bei klaren Notfällen sollen weiterhin Rettungs- und Notarztwagen ausrücken. Das neue Modell könnte laut Verband den Rettungsdienst deutlich entlasten und die Versorgungsqualität verbessern. In Nordrhein-Westfalen müsste die Landesregierung dafür allerdings erst den gesetzlichen Rahmen schaffen.
Auch andere Regionen Deutschlands prüfen Reformen in der Notfallversorgung, wie etwa Brandenburg. Näheres dazu erfahren Sie hier.
Finanzielle Folgen durch Fehlfahrten
Neben organisatorischen Problemen entstehen auch erhebliche Kosten. Ein Rettungseinsatz mit Notarzt kostet im Kreis Coesfeld etwa 2 000 Euro. Fehlfahrten werden von Krankenkassen nicht immer übernommen. Die Folge: Landkreise und Kommunen müssen einen Teil der Ausgaben selbst tragen.
Diese Belastung betrifft nicht nur Coesfeld. In mehreren Bundesländern werden ähnliche finanzielle Sorgen diskutiert. Studien zeigen, dass unnötige Einsätze bundesweit Millionenbeträge kosten.
Laut DRK könnte der Einsatz von Gemeinde-Notfallsanitätern auch hier Entlastung bringen, da weniger teure Rettungswagen ausrücken müssten.
Bedarf an landesweiter Unterstützung
Der Kreisverband appelliert an die Landesregierung in Düsseldorf, die rechtlichen Voraussetzungen für Pilotprojekte zu schaffen. Nur mit klar geregelten Zuständigkeiten und einer gesicherten Finanzierung kann das Modell Erfolg haben. Zudem fordert das DRK mehr Aufklärung in der Bevölkerung, um den Rettungsdienst nicht durch Bagatellanrufe zu überlasten.
In Bayern oder Sachsen-Anhalt wurden bereits ähnliche Konzepte getestet. Weitere Informationen zu modernen Lösungen und Projekten im deutschen Rettungswesen finden Sie mehr dazu hier.
Das Beispiel aus Coesfeld zeigt, dass Reformbedarf besteht. Ob die Gemeinde-Notfallsanitäter bald Realität werden, hängt nun von politischen Entscheidungen auf Landesebene ab.
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Quelle: WDR, www.milekcorp.com/de/