Donnerstag, 11 Dezember 2025 16:02

Leipzig startet telemedizinisches Rettungsprojekt zur Entlastung der Notärzte

Tele-Notarzt unterstützt Leipziger Rettungsteam per Video. Tele-Notarzt unterstützt Leipziger Rettungsteam per Video. Foto: Pexels / Lizenz: Pexels

Zu viele Fehlalarme im Rettungsdienst führen in Leipzig seit Jahren zu Überlastungen. Etwa 60 Prozent der eingehenden Notrufe benötigen keinen Notarzt, wie Axel Schuh, Leiter der Branddirektion, bereits 2024 erklärte. Um echte Notfälle schneller zu versorgen, hat die Stadt nun ein zweijähriges Modellprojekt gestartet. Die Initiative verbindet Rettungsdienste mit der Telemedizin. Ärztinnen und Ärzte unterstützen die Teams per Video und Telefon – direkt aus der Leitstelle.

Inhaltsverzeichnis:

Telemedizinische Einsatzunterstützung in Leipzig

Der Qualitätsbeauftragte Sven Gudehus leitet das Projekt „Telemedizinische Einsatzunterstützung“. Er betreut Sanitäter wie Markus in Echtzeit über eine Videoschaltung, während nur noch der Rettungswagen vor Ort ist. Mehrere Bildschirme zeigen dem Arzt Vitaldaten, EKGs und Videoübertragungen. Ein typischer Ablauf: Markus schildert den Zustand eines Patienten mit Brustschmerzen, sendet ein Zwölf-Kanal-EKG, und Gudehus analysiert die Daten sofort. Anschließend gibt er Anweisungen für Medikamente und entscheidet, in welches Krankenhaus der Patient gebracht wird.

Diese Vorgehensweise spart wertvolle Minuten. Die Verbindung zwischen Arzt und Rettungsteam reduziert unnötige Notarztfahrten. Ähnliche digitale Modelle werden auch in anderen Städten getestet, etwa bei der Einführung eines modernen Telenotarztsystems in Essen.

Dr. Ralph Schröder über gezielten Notarzteinsatz

Der ärztliche Leiter des Rettungsdienstes, Dr. Ralph Schröder, sieht klare Vorteile: „Wir sparen die Ressource Notarzt in ausgewählten Fällen, wo wir verantworten können, dass der Patient ausschließlich über den Tele-Notarzt behandelt wird.“ Dadurch können Notärzte gezielter eingesetzt werden. Sie fahren nur dorthin, wo ihre Anwesenheit wirklich erforderlich ist. Das System bietet außerdem Sicherheit: Die Telemediziner behalten die Kontrolle über den gesamten Ablauf. Sie sehen Vitalwerte, hören Rückmeldungen und treffen Entscheidungen auf Grundlage objektiver Daten.

Ähnliche Effizienzsteigerungen zeigen sich laut aktuellen Studien auch im Bereich der digitalen Rettungssysteme – mehr dazu unter Effizienz von Rettungsdiensten in Deutschland.

Zwei Jahre Testlauf in Sachsen

Seit Oktober gab es rund 120 Einsätze. Ab Januar ist ein Tele-Notarzt rund um die Uhr in der Leipziger Leitstelle Großzschocher erreichbar. Das Modell läuft über zwei Jahre. Die Testphase dient der Datenerhebung zu Reaktionszeiten, Entscheidungsqualität und Kostenersparnis. Nach Abschluss soll entschieden werden, ob das System dauerhaft in Sachsen eingesetzt wird.

Mehrere Kommunen beobachten das Projekt aufmerksam. Erfahrungen aus Leipzig könnten künftig für andere Regionen richtungsweisend sein, ähnlich wie bei der digitalen Ersthelferkarte des GRC.

Modernisierung des Rettungswesens

Die Stadt Leipzig reagiert mit diesem Schritt auf den steigenden Druck im Gesundheitswesen. Telemedizin ermöglicht schnellere Entscheidungen, effizienteren Personaleinsatz und bessere Versorgung in ländlichen Gebieten. Wenn sich das Projekt bewährt, könnten Tele-Notärzte künftig ein fester Bestandteil des sächsischen Rettungsdienstes werden. Die bisherigen Ergebnisse lassen auf eine nachhaltige Entlastung der Notärzte und eine Verbesserung der Notfallversorgung schließen.

Quelle: MDR, 24 EDU INFO

 FAQ

Was ist das telemedizinische Projekt in Leipzig?

Das Projekt „Telemedizinische Einsatzunterstützung“ in Leipzig verbindet Rettungsdienste mit Ärzten über Video- und Telefontechnik. Ziel ist es, unnötige Notarztfahrten zu vermeiden und die Versorgung echter Notfälle zu verbessern.

Wer leitet das Modellprojekt?

Der Qualitätsbeauftragte Sven Gudehus koordiniert das Projekt. Er unterstützt die Notfallsanitäter per Video aus der Leitstelle in Großzschocher und trifft medizinische Entscheidungen in Echtzeit.

Wie funktioniert die telemedizinische Betreuung?

Ein Arzt sieht über mehrere Bildschirme die Vitaldaten und das EKG des Patienten. Er gibt dem Rettungsteam Anweisungen zu Medikamenten und entscheidet, in welches Krankenhaus der Patient gebracht werden soll.

Welche Vorteile nennt Dr. Ralph Schröder?

Dr. Ralph Schröder erklärt, dass durch die Telemedizin die Ressource Notarzt gezielt eingesetzt werden kann. So werden Ärzte nur bei wirklich notwendigen Einsätzen vor Ort gebraucht.

Wie lange läuft der Test in Sachsen?

Der Testlauf des Telemedizinprojekts ist auf zwei Jahre angelegt. Seit Oktober wurden etwa 120 Einsätze begleitet, und ab Januar arbeitet ein Tele-Notarzt rund um die Uhr in Leipzig.

Welche Bedeutung hat das Projekt für andere Regionen?

Die Ergebnisse aus Leipzig könnten Vorbild für andere Bundesländer sein. Wenn sich das Modell bewährt, könnte die Telemedizin dauerhaft in die Notfallversorgung integriert werden.