Inhaltsverzeichnis:
- Projekt TIRD des Österreichischen Roten Kreuzes
- Forschung von Hans-Peter Hutter und MedUni Wien
- Deutschland und die Warnsysteme des DWD
- GEOMED-Studie der Universität Köln und Erfahrungen aus Bonn
- Hitzetage in Österreich und Deutschland
- Konkrete Handlungsaufträge für den Rettungsdienst
Projekt TIRD des Österreichischen Roten Kreuzes
Das Österreichische Rote Kreuz (ÖRK) setzt mit dem Projekt „TIRD“ neue Maßstäbe. Im Einsatz messen Rettungsteams Temperatur und Luftfeuchtigkeit vor Ort. Diese Werte werden im Patientenbericht erfasst und bilden so eine lückenlose Informationskette von der Einsatzstelle bis ins Krankenhaus. Besonders gefährdet sind:
- ältere Menschen
- chronisch Kranke
- Schwangere
- Kleinkinder
- Pflegebedürftige
Laut Gerry Foitik, Bundesrettungskommandant des ÖRK, ist es entscheidend, Hitzeauswirkungen auf die Gesundheit umfassend zu erforschen. Ziel ist, die Versorgung auch in Zukunft sicherzustellen und das Gesundheitssystem zu entlasten.
Forschung von Hans-Peter Hutter und MedUni Wien
Der Umweltmediziner Dr. Hans-Peter Hutter von der MedUni Wien warnt vor den medizinischen Folgen hoher Temperaturen. Neben Hitzschlag und Kreislaufkollaps treten häufiger Herz-Kreislauf-, Atemwegs- und Nierenerkrankungen auf. Diese führen zu mehr Krankenhausaufenthalten und erhöhen das Risiko vorzeitiger Todesfälle. Das Projekt TIRD liefert hierfür wichtige medizinische und klimatische Daten, um Präventionsstrategien zu verbessern.
Deutschland und die Warnsysteme des DWD
Zwischen 2018 und 2022 registrierte das Robert Koch-Institut rund 19.300 hitzebedingte Todesfälle. Prognosen zufolge könnten sich diese Zahlen bis 2050 mehr als verdoppeln. Deutschland reagiert mit verschiedenen Initiativen:
- Berliner HitzeRegister der Charité – Verknüpfung von Rettungsdienststatistiken mit kommunalen Frühwarnsystemen.
- Hitzewarnsysteme des Deutschen Wetterdienstes – tägliche Versorgung von über 1.000 Pflegeeinrichtungen mit Warnmeldungen.
- Fortbildungen und Hitzeschutzkonzepte – gefordert von der NGO KLUG.
Diese Maßnahmen sollen helfen, besonders gefährdete Gruppen zu schützen.
GEOMED-Studie der Universität Köln und Erfahrungen aus Bonn
Die Forschungsgruppe GEOMED analysierte bis Ende 2008 alle Rettungs- und Krankentransporte in Bonn. Erfasst wurden Einsatzgründe, Alter der Patienten und Wetterdaten wie Temperatur, Ozon- und Feinstaubbelastung. Ziel war es, Rettungsdienste frühzeitig zu warnen, wenn wetterbedingt eine Zunahme von Notfällen droht. Die Ergebnisse flossen in Präventionsstrategien ein, um Hitzedramen wie 2003 zu vermeiden.
Hitzetage in Österreich und Deutschland
Laut Andreas Schaffhauser von GeoSphere Austria hat sich die Zahl der Hitzetage in Österreich in den letzten Jahrzehnten vervielfacht. Früher gab es durchschnittlich 3–12 Hitzetage pro Jahr, heute sind es 9–23. In Rekordjahren werden über 40 gezählt. Ohne Klimaschutz könnten es bis 2100 sogar 60 bis 80 Tage werden. Auch Frankfurt/Main verzeichnete 2022 bereits 29 Hitzetage – in den 1980er Jahren waren es nur vier bis fünf.
Konkrete Handlungsaufträge für den Rettungsdienst
Für Notärzte und Rettungsteams ergeben sich klare Aufgaben:
- Klimadaten dokumentieren – Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Wohnsituation festhalten.
- Risikopatienten früh erkennen – z. B. Senioren, Menschen mit Mehrfachmedikation oder eingeschränkter Mobilität.
- Beratung geben – Hinweise zu Trinkmenge, Raumkühlung und Medikamentenanpassung.
- Teilnahme an Projekten wie TIRD – Schaffung einer fundierten Datengrundlage.
Rettungsdienste sind oft die ersten, die die gesundheitlichen Folgen des Klimawandels sehen. Projekte wie TIRD zeigen, wie dieses Wissen strukturiert genutzt werden kann – als Modell für ganz Europa.
Quelle: Rettungsmagazin.de