Donnerstag, 14 August 2025 18:16

Hitzegefahr im Rettungsdienst nimmt zu

Rettungskräfte messen Temperatur für besseren Hitzeschutz Rettungskräfte messen Temperatur für besseren Hitzeschutz Foto: pixabay

Steigende Temperaturen stellen Rettungsdienste vor neue Herausforderungen. In Österreich und Deutschland steigt die Zahl hitzebedingter Notfälle messbar an. Die Klimakrise wirkt sich direkt auf Einsätze und die Gesundheit der Bevölkerung aus. Innovative Projekte sollen helfen, Risiken zu erkennen und präventiv zu handeln.

Inhaltsverzeichnis:

Projekt TIRD des Österreichischen Roten Kreuzes

Das Österreichische Rote Kreuz (ÖRK) setzt mit dem Projekt „TIRD“ neue Maßstäbe. Im Einsatz messen Rettungsteams Temperatur und Luftfeuchtigkeit vor Ort. Diese Werte werden im Patientenbericht erfasst und bilden so eine lückenlose Informationskette von der Einsatzstelle bis ins Krankenhaus. Besonders gefährdet sind:

  • ältere Menschen
  • chronisch Kranke
  • Schwangere
  • Kleinkinder
  • Pflegebedürftige

Laut Gerry Foitik, Bundesrettungskommandant des ÖRK, ist es entscheidend, Hitzeauswirkungen auf die Gesundheit umfassend zu erforschen. Ziel ist, die Versorgung auch in Zukunft sicherzustellen und das Gesundheitssystem zu entlasten.

Forschung von Hans-Peter Hutter und MedUni Wien

Der Umweltmediziner Dr. Hans-Peter Hutter von der MedUni Wien warnt vor den medizinischen Folgen hoher Temperaturen. Neben Hitzschlag und Kreislaufkollaps treten häufiger Herz-Kreislauf-, Atemwegs- und Nierenerkrankungen auf. Diese führen zu mehr Krankenhausaufenthalten und erhöhen das Risiko vorzeitiger Todesfälle. Das Projekt TIRD liefert hierfür wichtige medizinische und klimatische Daten, um Präventionsstrategien zu verbessern.

Deutschland und die Warnsysteme des DWD

Zwischen 2018 und 2022 registrierte das Robert Koch-Institut rund 19.300 hitzebedingte Todesfälle. Prognosen zufolge könnten sich diese Zahlen bis 2050 mehr als verdoppeln. Deutschland reagiert mit verschiedenen Initiativen:

  1. Berliner HitzeRegister der Charité – Verknüpfung von Rettungsdienststatistiken mit kommunalen Frühwarnsystemen.
  2. Hitzewarnsysteme des Deutschen Wetterdienstes – tägliche Versorgung von über 1.000 Pflegeeinrichtungen mit Warnmeldungen.
  3. Fortbildungen und Hitzeschutzkonzepte – gefordert von der NGO KLUG.

Diese Maßnahmen sollen helfen, besonders gefährdete Gruppen zu schützen.

GEOMED-Studie der Universität Köln und Erfahrungen aus Bonn

Die Forschungsgruppe GEOMED analysierte bis Ende 2008 alle Rettungs- und Krankentransporte in Bonn. Erfasst wurden Einsatzgründe, Alter der Patienten und Wetterdaten wie Temperatur, Ozon- und Feinstaubbelastung. Ziel war es, Rettungsdienste frühzeitig zu warnen, wenn wetterbedingt eine Zunahme von Notfällen droht. Die Ergebnisse flossen in Präventionsstrategien ein, um Hitzedramen wie 2003 zu vermeiden.

Hitzetage in Österreich und Deutschland

Laut Andreas Schaffhauser von GeoSphere Austria hat sich die Zahl der Hitzetage in Österreich in den letzten Jahrzehnten vervielfacht. Früher gab es durchschnittlich 3–12 Hitzetage pro Jahr, heute sind es 9–23. In Rekordjahren werden über 40 gezählt. Ohne Klimaschutz könnten es bis 2100 sogar 60 bis 80 Tage werden. Auch Frankfurt/Main verzeichnete 2022 bereits 29 Hitzetage – in den 1980er Jahren waren es nur vier bis fünf.

Konkrete Handlungsaufträge für den Rettungsdienst

Für Notärzte und Rettungsteams ergeben sich klare Aufgaben:

  1. Klimadaten dokumentieren – Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Wohnsituation festhalten.
  2. Risikopatienten früh erkennen – z. B. Senioren, Menschen mit Mehrfachmedikation oder eingeschränkter Mobilität.
  3. Beratung geben – Hinweise zu Trinkmenge, Raumkühlung und Medikamentenanpassung.
  4. Teilnahme an Projekten wie TIRD – Schaffung einer fundierten Datengrundlage.

Rettungsdienste sind oft die ersten, die die gesundheitlichen Folgen des Klimawandels sehen. Projekte wie TIRD zeigen, wie dieses Wissen strukturiert genutzt werden kann – als Modell für ganz Europa.

Quelle: Rettungsmagazin.de