Inhaltsverzeichnis:
- Einheitliche Strukturen in ganz Hessen
- Qualitätsmanagement und digitale Fortschritte
- Entwicklung moderner Leitstellen
- Flexibilität in Krisenzeiten und rechtliche Anpassungen
Einheitliche Strukturen in ganz Hessen
Ein zentrales Anliegen ist die landesweite Vereinheitlichung der rettungsdienstlichen Strukturen. Derzeit unterscheiden sich Ausrüstung, Schulungsstand und medizinische Vorgaben von Landkreis zu Landkreis erheblich. Das soll sich ändern. Vorgesehen ist eine gemeinsame Fachaufsicht im zuständigen Ministerium, die die Qualität und Einheitlichkeit landesweit sicherstellen soll.
Zu den vorgeschlagenen Maßnahmen gehören:
- Einheitliche Vorgaben für die ärztliche Leitung.
- Standardisierte Ausstattung der Fahrzeuge.
- Gleiche Anerkennungssysteme für Fortbildungen.
Ein ähnlicher Reformansatz wird derzeit auch in Brandenburg diskutiert – mehr dazu unter Brandenburg fordert schnelle Reform des Rettungsdienstes.
Qualitätsmanagement und digitale Fortschritte
Die Hilfsorganisationen fordern außerdem die Einführung eines gesetzlich verankerten Qualitätsmanagementsystems. Es soll verbindlich festgelegt werden, dass jährlich ein Qualitätsbericht erstellt wird. Dieser Bericht soll Teil der Finanzierung des Rettungsdienstes werden.
Darüber hinaus wird eine flächendeckende Nutzung telemedizinischer Anwendungen gefordert. Moderne Technologien sollen die Einsatzkräfte vor Ort unterstützen, Entscheidungen absichern und die medizinische Versorgung verbessern. Beispiele aus anderen Regionen, wie das neue Telenotarztsystem in Münster, zeigen, dass digitale Unterstützung die Reaktionszeiten verkürzen und die Patientensicherheit erhöhen kann.
Entwicklung moderner Leitstellen
Ein weiterer Schwerpunkt betrifft die Weiterentwicklung der Zentralen Leitstellen. Diese sollen zu sogenannten „Gesundheitsleitstellen“ ausgebaut werden. Ziel ist eine bessere Steuerung von Notrufen und eine gezielte Zuweisung der Patientinnen und Patienten in die richtige Versorgungsebene.
Dazu sind laut Papier drei Punkte entscheidend:
- Digitale Vernetzung aller beteiligten Stellen.
- Einheitliche, standardisierte Notrufabfragen.
- Rechtssichere Alternativpfade für nicht-akute Fälle.
Die Organisationen sehen darin einen entscheidenden Schritt zur Entlastung der Notaufnahmen und zur effizienteren Ressourcenverteilung. Vergleichbare Projekte laufen bereits in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt – mehr dazu hier.
Flexibilität in Krisenzeiten und rechtliche Anpassungen
Neben den strukturellen und digitalen Reformen verlangen die Organisationen auch mehr rechtliche Flexibilität bei besonderen Lagen. Bei Pandemien oder Großschadensereignissen soll es möglich sein, zeitlich befristet von personellen oder qualifikationsbezogenen Vorgaben abzuweichen.
Darüber hinaus fordern sie die gesetzliche Verankerung von Helfer-vor-Ort-Gruppen und die Einbindung smartphonebasierter Erster Hilfe. Solche Systeme, wie sie in Städten wie Leipzig erfolgreich getestet wurden, können wertvolle Minuten sparen und Leben retten.
Abschließend wird die Aufnahme der sogenannten Bereichsausnahme gemäß § 107 Abs. 1 Nr. 4 GWB in das Gesetz gefordert, um die Zusammenarbeit zwischen öffentlichen Trägern und Hilfsorganisationen rechtlich abzusichern.
Die hessischen Hilfsorganisationen sehen die anstehende Novellierung als entscheidenden Moment für den Rettungsdienst des Landes. Mit klaren Strukturen, digitaler Unterstützung und rechtlicher Klarheit soll Hessen ein modernes, einheitliches und zukunftsfähiges Rettungssystem erhalten.
Quelle: S+K, www.extratimeout.com/de