Montag, 17 November 2025 15:27

Einzigartige Wasserortung der Leipziger Rettungshundestaffel

 Mutige Vierbeiner suchen Vermisste auf der Mulde Mutige Vierbeiner suchen Vermisste auf der Mulde Foto: Pexels/Pexels-Lizenz

Das leise Brummen des Motors hallt über die Mulde. Ein Boot bewegt sich langsam stromaufwärts, kaum drei Kilometer pro Stunde. An Bord steht Mischlingshündin Mahsusa. Ihr Blick ist konzentriert, die Nase tief über der Wasseroberfläche. Sie gehört zur Rettungshundestaffel des Landkreises Leipzig – der einzigen in Sachsen, deren Hunde auch auf dem Wasser Personen orten können. Ende Juli kam sie zum Einsatz, nachdem ein Hubschrauber der Bundeswehr bei Grimma abgestürzt war. Noch 24 Stunden nach dem Unglück fehlte jede Spur von Besatzungsmitgliedern. 

Inhaltsverzeichnis:

Mahsusa und die Spezialisierung der Staffel

Am frühen Morgen des 30. Juli klingelte das Einsatztelefon bei Katrin Madela, Leiterin der Staffel. Innerhalb weniger Stunden waren Helfer und Hunde einsatzbereit. Zwei Tage lang suchten sie am Ufer und auf dem Wasser. Zweimal schlugen die Hunde an und gaben den entscheidenden Hinweis, der die weitere Suche lenkte. Dichtes Schilf und unzugängliche Böschungen machten die Arbeit schwer, doch die Tiere folgten konzentriert jeder Spur.

Die Rettungshundestaffel Landkreis Leipzig wurde 2009 von Katrin Madela gegründet. Sie leitet heute ein Team von rund 14 Mitgliedern und mehreren speziell ausgebildeten Hunden. In diesem Jahr rückten sie bereits 37 Mal aus, 2024 waren es 30 Einsätze. Ihr Schwerpunkt liegt auf der Suche nach vermissten Personen – sowohl an Land als auch in Gewässern. Die Ausbildung der Hunde ist anspruchsvoll und dauert mehrere Jahre. Sie umfasst Gehorsam, Flächensuche, Trümmerarbeit und Wasserortung. Beim Training lernen die Tiere, feinste Gerüche zu erkennen, die von menschlichen Ausdünstungen stammen. Besonders bei der Wasserortung ist das Wissen der Trainer entscheidend. Steigt im Wasser Fäulnisgas auf, nehmen Hunde den Geruch wahr, selbst wenn Menschen nichts riechen. Ein Beispiel aus einer anderen Region verdeutlicht die Bedeutung dieser Arbeit: Bei der Wasserrettung am Chiemsee zeigte sich, wie stark Wetter, Strömung und Temperatur die Suche beeinflussen können. Auch in Sachsen müssen die Teams diese Faktoren berücksichtigen.

Technische Ausstattung und Spendenbedarf

Die Leipziger Staffel verfügt über zwei Boote, jedoch nur über ein Echolot. Dieses Gerät sendet Schallwellen aus und zeigt Strukturen des Gewässergrundes auf einem Bildschirm. Wenn Hunde und Echolot parallel arbeiten, entstehen präzise Suchergebnisse. Mit einem zweiten Echolot könnte die Staffel zwei Boote gleichzeitig einsetzen und die Suchzeit deutlich verkürzen. Zur Finanzierung neuer Ausrüstung beteiligt sich die Staffel an der LVZ-Spendenaktion „Ein Licht im Advent“. Jeder Beitrag unterstützt die Anschaffung der dringend benötigten Technik. Während die Hunde ihre feine Nase einsetzen, liefern die elektronischen Geräte visuelle Daten – eine Kombination, die Leben retten kann. Moderne Rettungseinheiten investieren zunehmend in Wasserortung und digitale Systeme. Ähnliche Entwicklungen zeigen sich auch im Norden, wo die Wasserrettung im Hamburger Hafen ihre Einsätze durch spezialisierte Teams ausgebaut hat.

Ausbildung von Mensch und Tier

Das Engagement der Mitglieder ist vollständig ehrenamtlich. Die Ausbildung von Hund und Hundeführer dauert in der Regel zwei bis drei Jahre. Neue Mitglieder wie Lukas Pflug, 26 Jahre alt, beginnen mit Grundgehorsam, Fährtensuche und Orientierung. Später folgt das Training auf dem Wasser. „Der Sport war früher nur ein Hobby“, sagt Pflug. „In der Rettungshundestaffel kann ich etwas Sinnstiftendes tun.“ Neben der Hundeschulung absolvieren die Hundeführer Lehrgänge in Funktechnik, Sanitätsausbildung und Kartenkunde. Mindestens zweimal pro Woche trainieren sie, oft bis in die Abendstunden. Das Einsatztelefon kann jederzeit klingeln – auch mitten in der Nacht. Dann zählt jede Minute. Solche Suchaktionen finden regelmäßig in Sachsen statt. Eine ähnliche Rettungsaktion wurde auch bei der Suche am Cospudener See dokumentiert, bei der mehrere Staffeln und Taucher gemeinsam im Einsatz waren.

Ein starkes Team im Ehrenamt

Die Rettungshundestaffel Landkreis Leipzig ist ein Zusammenschluss engagierter Ehrenamtlicher, die ihre Freizeit und eigene Mittel einsetzen, um Menschenleben zu retten. Ihre Arbeit umfasst:

  • Suche nach vermissten Personen in Wald- und Wassergebieten
  • Ausbildung neuer Hundeführer und Vierbeiner
  • Teilnahme an landesweiten Übungen
  • Kooperation mit Polizei und Feuerwehr

Ihr besonderes Know-how in der Wasserortung macht sie sachsenweit einzigartig. Die Kombination aus Erfahrung, Technik und tierischem Instinkt sorgt dafür, dass Vermisste schneller gefunden werden. Die Spendenaktion der LVZ bietet nun die Möglichkeit, diese Arbeit langfristig zu sichern und technisch zu verbessern. Jede Unterstützung stärkt die ehrenamtlichen Retter – und erhöht die Chance, dass Menschen, die vermisst werden, rechtzeitig gefunden werden.

Quelle: LEIPZIGER VOLKSZEITUNG, SN2WORLD