Freitag, 13 Februar 2026 16:04

Hundeverhalten im Alltag

Typische Verhaltensweisen wie Grasfressen oder Wälzen gehören meist zum normalen Repertoire von Hunden. Typische Verhaltensweisen wie Grasfressen oder Wälzen gehören meist zum normalen Repertoire von Hunden. Foto: Pixabay / Lizenz: Pixabay

Viele Hundehalter kennen typische Eigenheiten ihrer Tiere. Doch bei bestimmten Verhaltensweisen entsteht Unsicherheit. Grasfressen. Wälzen im Schlamm. Knurren. Der Industrieverband Heimtierbedarf (IVH) e. V. hat dazu Informationen veröffentlicht und ordnet diese gemeinsam mit Fachleuten ein. Dabei wird deutlich, dass zahlreiche Verhaltensweisen zum normalen Repertoire des Hundes gehören.

Inhaltsverzeichnis

Dr. Daphne Ketter und Tierverhalten München

Laut Tierärztin Daphne Ketter, Inhaberin der Tierarztpraxis für Verhaltensmedizin „Tierverhalten München“, stellt sich oft die Frage nach Normalität oder Auffälligkeit. Sie betont, dass viele Handlungen zwar artspezifisch sind, für Menschen jedoch problematisch wirken.

Hunde zeigen je nach Rasse und Erfahrung unterschiedlich stark ausgeprägtes Jagdverhalten. Dieses muss kontrolliert werden. Manche Tiere bellen laut, wenn sie Angst empfinden. Das gehört zur Kommunikation. Weitere Hintergründe zur Körpersprache von Hunden helfen Haltern, Signale besser einzuordnen.

Auch Aggressivität zählt zum normalen Verhaltensspektrum. Aggressivität ist jedoch nicht mit Gefährlichkeit gleichzusetzen. Entscheidend ist das Zusammenspiel zwischen Hund und Halter. Zudem reagieren Tiere auf verschiedene Personen unterschiedlich. Bei einer orientieren sie sich eng, bei einer anderen nutzen sie größere Freiheiten.

Krankhafte Störungen grenzen Fachleute klar ab. Dazu gehören unter anderem

  • zwanghaftes Schwanzjagen
  • generalisierte Angststörungen

In solchen Fällen zeigt der Hund in bestimmten Situationen kein normales Verhalten mehr und ist deutlich beeinträchtigt. Manche Tiere verweigern sogar das Verlassen der Wohnung.

Pat Goodman und Geruchswälzen bei Wölfen

Warum Hunde sich in Schlamm, Aas oder Mist wälzen, ist nicht abschließend geklärt. Es existieren mehrere Erklärungsansätze.

Eine Theorie besagt, dass Tiere ihren Eigengeruch überdecken, um von Beute nicht wahrgenommen zu werden. Die Forscherin Pat Goodman untersuchte das Geruchswälzen bei Wölfen. Sie geht davon aus, dass es der Informationsübermittlung im Rudel dienen könnte. Weitere Hypothesen nennen Juckreizlinderung oder reines Spielverhalten.

Das Wälzen gilt als normales Verhalten, auch wenn es für Halter unangenehm ist. Praktische Maßnahmen sind

  1. Wahl von Wegen mit geringer Gelegenheit zum Wälzen
  2. Kontrolle über Leine oder sicheren Rückruf
  3. Reinigung des Fells mit geeigneten Mitteln

Gerade im Sommer sollten Halter zusätzlich auf Risiken wie Blaualgen achten, wenn Hunde Kontakt mit stehenden Gewässern haben. Verhärteter Schlamm sollte eingeweicht und vorsichtig entfernt werden.

Grasfressen und Organische Ursachen

Auch das Fressen von Gras ist nicht eindeutig erklärt. Diskutiert werden mehrere Gründe.

  • Aufnahme von Wasser
  • Unterstützung der Verdauung
  • Auslösen von Erbrechen bei Fremdkörpern

„Wenn ein Hund mal ein bisschen Gras frisst, ist das also nicht schlimm. Wenn es aber sehr viel wird oder er sogar fordert, extra dafür in den Garten gelassen zu werden, dann sollte man das unbedingt untersuchen lassen. Das kann sowohl etwas Organisches sein, wenn zum Beispiel ein Fremdkörper verschluckt wurde, oder aber psychische Gründe haben“, sagt die Tierverhaltensmedizinerin.

Regelmäßiges, intensives Grasfressen kann auf organische oder psychische Ursachen hinweisen und sollte tierärztlich abgeklärt werden. Halter sollten zudem

  • eine regelmäßige Entwurmung sicherstellen
  • Wiesen mit Pestiziden meiden
  • auf giftige Pflanzen achten

Weitere Hinweise zum verantwortungsvollen Umgang mit Vierbeinern finden Interessierte mehr hier.

Knurren und BHV Berufsverband der Hundeerzieher

Knurren wird häufig missverstanden. Laut Dr. Ketter ist es ein wichtiges Kommunikationsmittel. Es sollte nicht abtrainiert werden.

Tritt es jedoch dauerhaft und situationsübergreifend auf, empfiehlt sich fachliche Unterstützung. Ansprechpartner sind Verhaltensspezialisten oder Hundetrainer. Eine Übersicht bietet unter anderem der BHV – Berufsverband der Hundeerzieher und Verhaltensberater e.V. auf seiner Website unter https://www.hundetrainer.de

Grundsätzlich gilt, dass neu auftretende oder stark veränderte Verhaltensweisen beim nächsten Tierarztbesuch angesprochen werden sollten. Eine professionelle Einschätzung schafft Klarheit und hilft, normales Verhalten von behandlungsbedürftigen Störungen zu unterscheiden.

FAQ

Ist es normal, dass ein Hund Gras frisst?

Ja, gelegentliches Grasfressen gilt als normales Verhalten. Es kann der Verdauung dienen, Wasser liefern oder Erbrechen auslösen. Wird es jedoch sehr häufig oder zwanghaft, sollte eine tierärztliche Untersuchung erfolgen.

Warum wälzen sich Hunde in Schlamm oder Aas?

Für dieses Verhalten gibt es mehrere Erklärungen. Hunde könnten ihren Eigengeruch überdecken, Informationen weitergeben oder schlicht Spielverhalten zeigen. Wissenschaftlich ist die Ursache nicht abschließend geklärt.

Ist Aggressivität bei Hunden immer gefährlich?

Nein. Aggressivität gehört zum normalen Kommunikationsverhalten von Hunden. Sie ist nicht automatisch mit Gefährlichkeit gleichzusetzen. Entscheidend ist die Situation und das Zusammenspiel zwischen Hund und Halter.

Sollte man einem Hund das Knurren abtrainieren?

Nein. Knurren ist ein wichtiges Kommunikationsmittel. Es warnt und signalisiert Unbehagen. Wird es unterdrückt, kann das zu unerwarteten Reaktionen führen.

Wann sollte auffälliges Verhalten tierärztlich abgeklärt werden?

Wenn ein Hund plötzlich stark verändertes Verhalten zeigt, zwanghafte Handlungen entwickelt oder in Alltagssituationen nicht mehr normal reagiert, sollte dies beim nächsten Tierarztbesuch angesprochen werden.

Quelle: Regional Heute Braunschweig, Patizonet